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Mit dem Rollstuhl durch Helmstedt

Die Freiwilligen der Gruppe 18-31 haben sich aufgemacht, die Möglichkeiten und Unmöglichkeiten für Menschen mit Behinderungen in Helmstedt zu erkunden.

Die 24 neugierige junge Erwachsene auf die Reise - eine spannende „Rollstuhlrallye“ durch Helmstedt.
Die Seminargruppe der Freiwilligen aus ganz Niedersachsen hatte sich im Vorfeld eigeninitiativ für das Thema „Behinderung“ und der damit verbundenen „Rollstuhlrallye“ eingesetzt.

Die Gruppe der Freiwilligen vom Diakonischen Werk in Niedersachsen wurde in mehrere Kleingruppen aufgeteilt, die jeweils einen Rollstuhl pro Gruppe vom Sanitätshaus Ihr Gesundheitsteam zur Verfügung gestellt bekommen haben. Während einer die Erfahrung aus Sicht eines Rollstuhlfahrers machen konnte, haben die anderen beobachtet, wie die Gesellschaft reagiert und betrachteten die Szenen aus der Distanz.
Dann ging es los, mit dem Rollstuhl quer durch Helmstedt.

Zunächst ging es in einige Supermärkte. Die Gänge waren gut zu befahren und auch breit genug, die einkaufenden Personen gingen freundlich zu Seite und wenn wir, als Rollstuhlfahrer, etwas aus dem oberen Regalfach bekommen wollten, waren die Menschen sehr hilfsbereit und freundlich. Auch die Kassen hatten eine gute Höhe und das Bezahlen verursachte gar keine Probleme.
Ähnlich einfach war es auch in den Banken, die Geldautomaten waren gut zu bedienen und auch eine Überweisung funktionierte mühelos.
Genauso sind wir in den Restaurants, durch die freundliche Bedienung und der guten Höhe der Theken, leicht an unser Essen gekommen.

Leider war der Weg in verschiedene Geschäfte oft nicht so leicht, da dort teilweise drei Stufen im Eingang waren, die es sogar zu zweit sehr schwer machten die Rollstuhlfahrer in das Geschäft zu bekommen. Bei vielen Wohnhäusern sah dieses Problem so ähnlich aus. Dann waren die Türen zu machen Geschäften sehr schwer alleine zu öffnen, sodass die Rollstuhlfahrer auf die Hilfe von Passanten angewiesen waren, was beinahe ständig der Fall war.
In weiteren Geschäften fanden wir zu schmale Gänge vor, in denen es schwer war nichts aus den Regalen zu räumen. Dazu haben uns Kassierer und Kassiererinnen teilweise gar nicht geholfen.
Vor dem etwas tiefer gelegenen Ausgang vor den Geschäften, standen in manchen Fällen Schilder mit Werbung, an die wir eigentlich immer gegen gefahren sind. Wenn diese Schilder nicht direkt vor der Ladentür gestanden hätten, wäre das gar kein Problem gewesen.
Neben den Geschäften waren auch die Wege nicht sonderlich rollstuhlfreundlich. Die schrägen Fußwege zur Straße machten es uns schwer ohne Hilfe auf dem Fußweg zu bleiben, von denen wir, aufgrund der hohen Bordsteine, nun wirklich nicht gerne hinunterfallen wollten.
Unsaubere Schotterwege an Baustellen machten das Überqueren oft nicht möglich.
In der Fußgängerzone und auf den Straßen war auch einiges los. Viele schnelle unachtsame Autofahrer machten uns das Leben schwer und einige Fußgänger drehten unsicher große Bögen um uns. Allgemein haben sich viele Passanten sehr unsicher verhalten.

Wir haben allerdings auch sehr freundliche und offene Menschen getroffen, die auch gerne halfen. So konnten wir ein anregendes Gespräch mit einer netten Passantin führen, deren erwachsene Tochter selbst seit zwei Jahren im Rollstuhl sitzen muss. Dazu haben wir von anderen Passanten ein sehr gutes Feedback für diese spannende Exkursion erhalten, was uns natürlich auch sehr gefreut hat.

Zusammenfassend konnten wir an diesem schnell vergangenen Vormittag wirklich gute Erfahrungen machen. Sollten auch andere FSJ-Seminargruppen eine solche „Rollstuhlrallye“ planen, können wir das nur empfehlen. Leider ist die Stadt Helmstedt nur bedingt behindertenfreundlich und zeigt viele unmögliche Herausforderungen für die Rollstuhlfahrer. Dennoch ist die Schönheit der Stadt nicht zu verkennen gewesen. Wir bedanken uns herzlich beim Sanitätshaus Hepner & Schmidt für die Bereitstellung der vielen Rollstühle.

Vom 21. bis zum 25. Januar 2019 waren die 24 Freiwilligen zum dritten Freiwilligenseminar in Helmstedt zu Gast. Die Seminare sind Bestandteil des Freiwilligen Sozialen Jahres. Neben diesen engagieren sich die jungen Menschen in verschiedensten sozialen Einrichtungen der Diakonie in ganz Niedersachsen, von der Kita über die Diakoniestation bis zur Wohngruppe für Rollstuhlfahrer*innen.

-Matthias Helmstädt